Unsere Solidarität gegen ihren Antisemitismus

Kundgebung gegen „Querdenken 215“, Theaterplatz Krefeld, 31.8.2020, 18:30 Uhr
Unsere Solidarität gegen ihren Antisemitismus
Als sich der Anmelder der Krefelder Corona-Demos am vergangenen Montag öffentlich von Antisemitismus distanzierte, sorgte das für großes Gelächter auf Seiten der Gegendemonstrierenden. Nicht nur, weil er sich im selben Satz auch von „Linksextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antifaschismus [sic]“ distanzierte, sondern auch, weil sich eine nur wenige Meter entfernte Person das Erkennungskürzel „WWG1WGA“ der antisemitischen Q-Anon-Bewegung auf die Weste geschrieben hatte. Oder weil ein späterer Redner, der sich ebenfalls von Antisemitismus zu distanzieren glaubte, in der gleichen Rede von der „New World Order“ der „Rockefeller, Rothschilds und Pharmakonzerne“ schwadronierte.
Aber auch unabhängig des weiterhin grassierenden Antisemitismus hat sich auf dem Theaterplatz nichts zum Besseren entwickelt. Ganz im Gegenteil. Die Teilnehmerzahl steigt rapide an und war in der vergangenen Woche sogar im dreistelligen Bereich. Unterstützung kommt unter anderem von den „Corona Rebellen Düsseldorf“, Krefelder AfD-Politikern und der Gruppierung „Eltern stehen auf NRW“. Auch Neonazi Kevin Gabbe und der ehemalige Rechtsterrorist Volker Lachenicht sind weiterhin willkommene Teilnehmer. In der Zwischenzeit haben sich die Krefelder „Corona-Rebellen“ zusätzlich unter dem Namen „Querdenken 215“ (für die Telefonvorwahl 0215) der deutschlandweiten Querdenken-Bewegung angeschlossen und sind nun auch überregional bestens vernetzt. Gleichzeitig verschärft sich die Lage sowohl in den internen Telegramgruppen als auch live vor Ort. Phantasiert man online darüber, dass Krefelder Rockergangs „den Antifanten“ mal so richtig einheizen sollten, ernten auf dem Theaterplatz Reden mit Parolen wie „Ich werde mit dem Messer zwischen den Zähnen bis zum letzten Tropfen Blut kämpfen“ tosenden Applaus. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, auf jegliche faschistische Tendenzen der Gruppe sowie entsprechende Umsturzphantasien – insbesondere bezüglich der Großdemonstration am Samstag in Berlin, zu der auch „Autonome Nationalisten“ und Parteien wie die NPD oder der Dritte Weg aufrufen – einzugehen.
Für uns ist klar: So kann das nicht weiter gehen. Wir möchten uns aber nicht nur gegen die zunehmende Radikalisierung der selbsternannten „Querdenker“ stellen, sondern ihnen auch eine solidarische Gesellschaft, wie sie gerade in der Corona-Zeit zwingend notwendig ist, entgegensetzen.
Daher rufen wir gemeinsam mit einem breiten Bündnis aus antifaschistischen Gruppierungen, Parteien und Bündnissen aus Krefeld dazu auf, am Montag, 31.8.2020 zur Kundgebung gegen „Querdenken 215“ zu kommen. 18:30 Uhr auf dem Theaterplatz.

Kurzbericht #kr0308

Mit insgesamt 175 Personen haben wir gestern gemeinsam gegen die Krefelder „Corona-Rebellen“ demonstriert. Nach nun 3 Monaten montäglichen Kundgebungen konnten die Verschwörungsideologinnen und -ideologen damit erstmals nicht ungestört ihre teils antisemitische Agenda auf dem Theaterplatz verbreiten.

Um 18:30 Uhr, eine halbe Stunde vor der Anti-Corona-Kundgebung, fand sich bereits das breite Bündnis aus antifaschistischen und zivilgesellschaftlichen Gruppen und Parteien am Theaterplatz ein. In Redebeiträgen unter anderem von den Jusos, der Grünen Jugend und uns wiesen wir auf die extrem rechten Personen und Positionen innerhalb der Gruppe hin und befassten uns ausführlich mit dem antisemitischen und eliminatorischen Charakter von Verschwörungswahn. Unseren Redebeitrag dazu haben wir unten dokumentiert.

Auf der Seite der Verschwörungsgläubigen fanden sich mit insgesamt 50 Personen zwar mehr ein als in den vergangenen Wochen (30-40 Personen), als ein großes Aufbäumen, wie wir es nach der Großdemonstration in Berlin und der auch überregionalen Mobilisierung befürchtet hatten, kann das allerdings nicht angesehen werden. Ihre übliche Leier spulten sie diesmal eine halbe Stunde länger ab als gewohnt, wurden durch den sehr lauten Gegenprotest allerdings durchgehend übertönt. Die Polizei war kaum vertreten und hielt sich auffällig zurück, musste nur den Aufruf zur Remonstration seitens der „Corona-Rebellen“ über sich ergeben lassen.

Um 20:30 Uhr haben wir die Demonstration ohne weitere Vorkommnisse beendet. Einen riesen Dank an alle, die sich am Gegenprotest beteiligt haben.

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