Anreise aus Krefeld zur Gegenveranstaltung in Düsseldorf

Gegen die Allianz aus „Querdenkern“, Neonazis und rechten Hooligans

Für nächsten Sonntag, den 6. Dezember, rufen verschiedene Querdenkengruppen zu einem „Festival“ gegen die „Masken-Lüge“ im Düsseldorfer Rheinpark Golzheim auf. Eingeladen wurde das Who-is-who der aktuellen verschwörungsideologischen Szene: Michael Ballweg, Ralf Ludwig, Samuel Eckert, Bodo Schiffmann, Marcel Wojna usw. Die Krefelder Querdenker wollen – so der Plan – sogar eine eigene Bühne betreiben.

Als wäre das nicht bereits Grund genug, die Kotztüten auszupacken, wittert nun auch das beinahe in Irrelevanz versunkene Hogesa-Spektrum Morgenluft und mobilisiert nach Düsseldorf. Der Plan, in Anlehnung an die Demonstration in Leipzig ein Comeback der „Hooligans gegen Salafisten“ auf die Beine zu stellen, wird unserer Einschätzung nach zwar weniger Wirklichkeit als vielmehr Wunschphantasie bleiben, doch es muss dennoch mit einer erheblichen Zahl an Neonazis und Hools gerechnet werden. Schließlich haben bereits Szenegrößen wie Hannes Ostendorf, Sänger der Rechtsrockband „Kategorie C“, ihr Erscheinen angekündigt.

Die Düsseldorfer Querdenker wiederum haben sich nach jenen Aufrufen von den gewaltbereiten Hooligans distanziert – zumindest auf dem Papier. Doch wir wissen alle, wie ernst diese Distanzierungen zu nehmen sind. Demonstrationen in Berlin und Leipzig haben das Potential einer Querfront aus vermummten Fascho-Hools, tanzenden Hippies und „besorgten Bürgern“ bewiesen und die Gefährlichkeit einer solchen vor Augen geführt.

Bestreiten möchten wir an dieser Stelle allerdings die viel geäußerte Einschätzung, die Querdenken-Bewegung würde nach und nach von Rechten unterwandert werden. Bereits bei unseren Gegenveranstaltungen in Krefeld haben wir auf den antisemitischen und faschistischen Kern der gesamten Bewegung hingewiesen und den inhärenten Wunsch nach einem gewaltvollen Umsturz benannt. Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis sich dies auch auf der Straße zeigen würde. Bunte Herzchen-Luftballons neben bewaffneten Nazigruppen stellen KEINEN Widerspruch dar.

Um sich diesem Treiben entgegen zu stellen, rufen wir dazu auf, die antifaschistischen Gegenaktivitäten zu unterstützen. Lasst uns der neuen Allianz den Wind aus den Segeln nehmen und ihnen gehörig den Tag vermiesen.

ANREISE AUS KREFELD ZUR GEGENVERANSTALTUNG IN DÜSSELDORF
SO, 6.12. 11:45 KREFELD HBF

Warum musste Amad A. sterben?

Warum musste Amad A. sterben? Aufklärung jetzt!
Warum musste Amad A. sterben? Aufklärung jetzt!

Die heutige Demonstration in Krefeld unter dem Motto „Rassismus tötet“ war mit 250-300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gut besucht. Im Namen der „Initiative Amad Ahmad“ haben wir mittels Flugblättern auf den Fall Amad A. aufmerksam gemacht. Der entsprechende Text wurde darüber hinaus von der DIDF Jugend Krefeld als Redebeitrag gehalten:

„Im September 2018 verstarb der aus Syrien geflüchtete Kurde Amad Ahmad infolge eines Brandes in seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt Kleve. Der offizielle Bericht sprach zweifelsfrei von einem Suizid. Doch Recherchen von Monitor, Panorama 3 und einem parlamentarischen Untersuchungsausschluss kamen zu der Schlussfolgerung, dass es erhebliche Unstimmigkeiten in der offiziellen Version gab, diese teilweise sogar nachweisliche Falschbehauptungen enthielt. So wurde bewusst verschwiegen, dass Amad die Gegensprechanlage betätigte, lautstark um Hilfe rief und durch das Treten gegen die Zellentür auf sich aufmerksam machen wollte. Ein unabhängiges Brandgutachten stellte darüber hinaus fest, dass der zeitliche Ablauf wie dargestellt überhaupt nicht möglich gewesen wäre. Aber die Unstimmigkeiten fingen schon früher an:

Festgenommen wurde der damals 26-jährige Amad am 6. Juli 2018 an einem Badesee in Geldern aufgrund einer angezeigten Belästigung. Die Beamten hätten Amad Ahmad laut eigener Aussage beim Personalienabgleich mit einem in Hamburg gesuchten Malier verwechselt. Das wirkt allerdings unglaubwürdig, weil die beiden Personen optisch kaum zu verwechseln sind. Aber mehr noch: Der angegebene Grund für die Verwechslung, ein Alias-Name, der angeblich von beiden Personen benutzt wurde, war erfunden. Ein entsprechender Datenbankeintrag wurde erst nach(!) der Verhaftung Amads bearbeitet bzw. manipuliert, wie spätere Recherchen zeigten. Amad saß also etwa drei Monate unschuldig in der JVA Geldern und später in der Justizvollzugsanstalt Kleve.

Dennoch stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen bereits Ende 2019 ein. Zuvor hatten sich verschiedene beteiligte Behörden gegenseitig die Schuld in die Schuhe geschoben. Auch die Krefelder Polizei spielte bei der Frage um die Datensätze eine Rolle. Zwei Tage vor der Verhaftung Amads hatte sie Amad erkennungsdienstlich behandelt und später die Datenbank angepasst.

Die Initiative Amad Ahmad (Facebook-Link) möchte sich mit all dem nicht zufrieden geben. Wie kann es sein, dass Amad über so lange Zeit unschuldig in Haft saß? Wie kann es sein, dass die genauen Umstände des Brandes vertuscht wurden? Wie kann es sein, dass die beteiligten Behörden durch Lügen, Verheimlichen und Manipulation auffielen und wie kann es sein, dass sie damit sogar durchkommen?“